Die Hanf Zeitung
Medizinisches Cannabis

Cannabis als Medizin darf von Ärzten auf einem BTM-Rezept (Betäubungsmittelrezept) verordnet werden. Möglich ist dies seit März 2017 mit Inkrafttreten der neuen Gesetzgebung. Für Ärzte wie auch für Patienten stellt sich jedoch immer wieder die Frage, welche medizinischen Cannabissorten in den Apotheken gerade erhältlich sind. Auch die Frage, wie eine für den Patienten geeignete Sorte ausgewählt werden kann, ist immer wieder aktuell.

Entsprechend der aktuellen Liste vom 17.12.2019 „cannabis-aerzte.de“ stammen die Cannabisblüten derzeit aus Kanada und den Niederlanden. Für den Bedarf in Deutschland ist der Import unumgänglich. Eine Cannabisagentur wurde von der BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizin) eingerichtet. Die erste Ernte der in Deutschland angebauten Pflanzen kann jedoch voraussichtlich erst in 2020 erfolgen.

Als erster und bisher einziger deutscher Importeur gewährleistet die Cannamedical Pharma GmbH als führender und unabhängiger Distributeur für Medizinisches-Cannabis in Europa Transparenz sowie eine gleichbleibende Blütensorte hinter den Produkten und damit einen konstanten Therapieerfolg.
Die ersten zwei von insgesamt 12 sortenreinen und unter GMP in Kanada produzierten Cannabisblüten sind bereits an Apotheken in Deutschland versendet.
Die Lieferung der Cannabisblüten erfolgt in Dosen à 10 Gramm.

Der THC-Gehalt der 12 angebotenen Cannabissorten reicht von 8,0 % bis 24,0 %. Der CBD-Gehalt von 0,1 % bis 6,0 %.

Ebenfalls GMP zertifiziert ist das Unternehmen Tilray. Es gehört bezüglich der Herstellung von Medizinischem-Cannabis zu den führenden Unternehmen. Es beliefert Patienten sowie Ärzte und Apotheken und Krankenhäuser aber auch Behörden und Forscher in Kanada, der EU sowie Australien und Amerika. Als Großhändler agieren die GmbH & Co. KG Paesel + Lorei und das Pharmaunternehmen Noweda Apothekergenossenschaft eG. Beide mit Sitz in Deutschland.
Die Blüten werden in Beuteln á 15 Gramm geliefert.
Der THC-Gehalt der 6 Sorten reicht von 10,0 % bis 23,7 %. Der CBD-Gehalt von 0,2 % bis 10,0 %.

Patienten müssen wissen, dass die einzelnen Chargen entsprechend ihrer individuellen Dominanz entweder als Sativa, Indica oder Hybrid deklariert werden, und die gleiche Sortenbeschreibung führen. Das richtige Wirkungsspektrum sollte deshalb mit dem Apotheker abgesprochen werden.

Zu den ältesten Anbauern (mehr als 20 Jahre) von Medizinischem-Cannabis gehört in den Niederlanden das Unternehmen Bedrocan International. Der Anbau erfolgt in den Niederlanden, der Tschechischen Republik sowie in Kanada. Zu den Importeuren gehören die Fagron GmbH & Co. KG in Barsbüttel, die Pedanios GmbH in Berlin sowie ACA Müller ADAG Pharma AG in Hitzingen sowie die Cannamedical Pharma GmbH in Köln.

Angeboten werden fünf Cannabissorten.
Der THC-Gehalt der 6 zur Auswahl stehenden Sorten reicht von 1,0 % bis 22,0 %. Der CBD-Gehalt von 1,0% bis 9,0 %.

Zu den weiteren Anbietern gehören:
– Tweed als Tochterunternehmen der Canopy Growth Corporation, Kanada
– Importeur Spektrum Cannabis GmbH in St. Leon-Rot,
– Peace Naturals, Importeur G. Pohl-Boskamp GmbH & Co. KG, Deutschland

Diese Cannabissorten sind für Patienten bis auf weiteres in Deutschland nicht erhältlich:
– Luminarium
– Sedamen
– Stellio
– Zula
– Rex
– Nollia
Grund dafür ist ein Vertragsbruch zwischen den Unternehmen MedReleaf und Cannamedical.

Erläuterung zu den Anwendungsbereichen von Medizinischem-Cannabis unterteilt nach Sorten

Behandelt werden können folgende Symptomatiken:*

Übelkeit und / oder Erbrechen im Zusammenhang mit einer Chemotherapie können zum Beispiel mit den Sorten Bedrocan und Bakerstreet (letztere auch bei HIV) behandelt werden.

Bei chronischen Schmerzen und (innerliche) Unruhe kann für eine beruhigende Wirkung beispielsweise mit der Cannabissorte Bedica, behandelt werden.

Bei Schmerzen, Entzündungen und (innere) Unruhe kann eine Behandlung u. a. mit den Sorten Bediol und Penelope erfolgen. Bediol ist auch geeignet für Patienten, die noch nie eine Cannabissorte eingenommen haben. Grund: Fast ausgeglichenes THC und CBD Verhältnis. Dies gilt auch für Pedanios 14/1 Sativa.

Für die Behandlung chronischer Schmerzen sind zum Beispiel die Cannabissorte Pedanios 20/1 Sativa und Pedanios 20/1 Indica indiziert.

Chronische Schmerzen sowie Erbrechen und Übelkeit können beispielsweise mit Red No4 und Klenk 18/1 Indica behandelt werden.

Die Behandlung bei Schlaflosigkeit und (innere) Unruhe kann u. a. mit der Cannabissorte Bedrobinol erfolgen.

Eine therapieresistente Epilepsie kann mit der Sorte Bedrolite mit psychoaktiver Wirkung von nur 1,0 % behandelt werden.

Migräne und Depressionen können zum Beispiel mit den Cannabissorten Orange No1 sowie Red No2 therapiert werden.

Muskelspasmen sowie indizierter Entspannungs- und Beruhigungsbedarf können mit der Cannabissorte Argyle behandelt werden.

Wenn es ausschließlich um Beruhigung und Entspannung geht, kann beispielsweise Green No3 das Medizinische-Cannabis der Wahl sein.

*Die Angaben erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Wie präsentiert sich die Situation am Aktienmarkt für Anleger und Investoren?

Ausgehend von zuletzt 2017 entwickelten sich in 2018 die Marihuana Aktien herausragend und euphorisch. Die Aphira-Aktie verzeichnete ein Plus um bis zu 180 %, Aurora-Cannabis legte um ca. +200 % zu und Canopy Growth sogar um ca. 330 %.
Trotzdem, oder gerade deswegen, wurde zu Gewinnmitnahmen geraten. Und dieser Empfehlung zu folgen, stellte sich als goldrichtig heraus. Alle Aktien dieser Branche wurden Opfer einer starken Korrektur und mussten einen Wertverlust von ca. 50 % verbuchen.

Eine Erholung der Cannabis-Aktien konnte nur schwach erkannt werden. Im Moment sieht es so aus, dass sich nur die nachhaltigsten Geschäftsmodelle am internationalen Markt behaupten können.

Das Ringen der Großkonzerne wie beispielsweise der Getränkeriese Constellation Brands (Corona), Diageo (Johnnie Walker u. Smirnoff) oder die Großbrauereien Molson Coors, Nova Scotia Liquor bzw. Heineken um Beteiligungen an den Firmen der Cannabisproduzenten ist seit längerem bereits im Gange. Auch Altria als Hersteller der Zigarette Marlboro greift hier nach den Sternen, sprich Beteiligungen.
Sie wollen den eigenen Produkten THC (psychoaktiver Stoff) beimischen, um es dann als neues Live-Style-Produkt auf den Markt zu bringen. Andere wie beispielsweise Coca Cola verfolgen die Idee, CBD mit seiner beruhigenden und nicht berauschenden Wirkung dem Getränk beizufügen.

Cannabis-Genussmittel: Die rechtliche Situation

Bereits 200 war die medizinische Cannabisnutzung in Kanada legalisiert. Und seit 2018 ist auch das „Kiffen“ erlaubt. Der kanadische Markt kann sich so mittel- bis langfristig mindestens verzehnfachen. Das steht natürlich im Blickpunkt der Anleger.

Noch aber sind ein knappes Angebot, nicht genügend lizenzierte Verkaufsstellen sowie verzögerte Genehmigungen für den Neubau von Gewächshäusern und ein Regelwerk für Getränke und Lebensmittel plus sinkende Gewinnspannen ein Problem. Die hochtrabenden Erwartungen konnten somit nicht erfüllt werden. Lt. Expertenmeinung kann es noch mehrere Jahre dauern, bis sich Angebot und Nachfrage eingespielt und im oberen Segment angesiedelt haben.

Die Vorreiterrolle Nordamerikas

Marihuana wird auch in immer mehr US-Bundesstaaten legalisiert. Bisher gilt die Legalisierung in 11 Bundesstaaten für ca. 60 Millionen Einwohnern straffrei gestellt. Bis kommendes Jahr (2020) soll der Status der Straffreiheit für 18 Bundesstaaten gelten. Für die medizinische Anwendung ist Cannabis in 33 US-Bundesstaaten zugelassen.

Interessant ist, dass in der US-Bevölkerung die Akzeptanz für die Cannabis-Legalisierung bei fast 70 % liegt. Das ergab eine Umfrage des Gallup Instituts. 1969, im ersten Jahr der Umfrage, waren es nur 12 %. Aktuell sind lt. Entsprechend einer Studie der Quinnipiac University sind sogar 9 von 10 US-Bürger für die Freigabe zu medizinischen Zwecken.

In Folge dieser Entwicklung sprudeln natürlich die Steuereinnahmen und es konnten bereits ca. 400.000 neue Stellen am Arbeitsmarkt geschaffen werden.

Mit den Bereichen Medizin, Forschung, Anbau, Verarbeitung und Vertrieb sowie Konsum konnte ein neuer Industriezweig mit Umsätzen in Milliardenhöhe entstehen. Andererseits sind Risiken und wechselnde Gesetzeslagen noch nicht wirklich zu überblicken.

Fazit: Hohes Gewinnpotenzial ist gepaart mit großen Unsicherheiten und Risiken.

Das ist auch an den hohen Kursausschlägen zu verfolgen. So konnte der Global-Cannabis-Stock-Index in 2017 über das gesamte Jahr hinweg von 33 auf 92 Zähler wachsen, um sich dann wieder zu halbieren. Der dann folgenden Verdreifachung folgte später eine Drittelung. Dann kam es zu einer Verdopplung mit anschließender Halbierung.

Andererseits wird es sich weiterhin für Anleger als lukrativ erweisen, für eine Turnaround Spekulation auf die etablierten First Mover im Cannabis-Geschäft zu setzen.

Zu den drei besten Cannabis-Aktien in 2019 gehören:

– die Cronos Group: Hier hält Altria als Tabak-Gigant 45 % Beteiligung. Durch hohen Cash-Bestand hervorragend aufgestellt. Übertraf in 2019 die Gewinnerwartungen der Analysten trotz innerbetrieblicher Turbulenzen.

– die Canopy Growth Corporation als Weltmarktführer mit 10 lizenzierten Produktionsstätten. Hohe Produktionssteigerungen in 2019. Milliardeninvestment durch den Spirituosenhersteller Constellation Brands, Mehrheitsbeteiligungen sind bei der Canopy Growth Corporation möglich.

– die Aurora-Cannabis Inc. hält die Top-Cannabis-Aktie. Übernahmen in 2019 CanniMed Therapeutics und MedReleaf. Das längerfristige Produktionsziel liegt bei 570 Tonnen. Gesamtmarktkapitalisierung derzeit bei ca. 7 Mrd. CAD an der Börse.

Bildnachweis

Bildquelle:

bulkbuddy1 (CC0), Pixabay

Redaktion

Geschrieben von Red. LG
gepostet in Allgemein | Medizin | Wirtschaft
am Freitag, 13.05.2022

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